Holz ist ein Rohstoff mit jahrtausendealter Tradition und wechselvoller Geschichte. Im Kampf gegen den Klimawandel sind seine Qualitäten heute bedeutender denn je. Seit nunmehr 125 Jahren setzt sich die Interessenvertretung der Säge- und Holzindustrie für die nachhaltige Verwendung ein. Anlässlich des Jubiläums beleuchtet der Deutsche Holzkongress am 29. und 30. Juni 2022 die Stellung des Holzes in Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Vorab stellen wir die Keynote-Speaker im Kurzinterview vor.

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joachim Schellnhuber

ist Direktor Emeritus des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), das er selbst im Jahr 1992 gründete. Er ist Gastprofessor an der Tsinghua-Universität (China) und gewähltes Mitglied zahlreicher Gelehrtenvereinigungen wie der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, der deutschen Nationalakademie Leopoldina und der US National Academy of Sciences. Seit 2019 beschäftigt Schellnhuber sich intensiv mit der Transformation der gebauten Umwelt und dem Potenzial von Holzbauten als Kohlenstoffsenken. Er ist Co-Gründer des Bauhaus Erde und Mitglied des New European Bauhaus High-level roundtable.

Prof. Hans Joachim Schellnhuber spricht am 29.06.2022 um 16:00 Uhr auf dem Deutschen Holzkongress. Sein Vortrag trägt den Titel: „Die Zukunft ist aus Holz gebaut – Von den Potenzialen des nachhaltigen Holzbaus“

Herr Prof. Schellnhuber, die Säge- und Holzindustrie feiert dieses Jahr das Jubiläum ihrer Branchenvertretung. Ihr Interesse gilt seit Jahrzehnten dem Klimawandel und seinen Lösungen. Sie sind prägender Klimaforscher, beraten führende Politiker:innen und Persönlichkeiten und sind gefragter Gesprächspartner in den Medien. Und dennoch: Fühlen Sie sich und Ihre Botschaft gehört?

Inzwischen ja. Tragisch ist jedoch, dass die Warnungen der Wissenschaft erst jetzt ernst genommen werden, wenn die schädlichen Folgen der menschengemachten Erderwärmung für jedermann sicht- und spürbar werden. Doch der Sinn der Vorhersage war gerade, eine solche Schadensentwicklung zu verhindern. Das wäre vor 30 Jahren, als das PIK gegründet wurde, noch viel leichter möglich gewesen.

Getragen durch Bewegungen wie Fridays for Future schien der Klimawandel in den zurückliegenden Jahren an medialem, gesellschaftlichem und politischem Stellenwert gewonnen zu haben. Dann traten die Corona-Pandemie und der Ukrainekrieg in das Leben der Menschen. Haben Sie Sorge, Politik und Gesellschaft sind nicht ausreichend multitaskingfähig, um diese Krisen parallel zu bewältigen?

Weder Gesellschaften noch Individuen können „Multitasking“ wirklich gut. Immerhin hat sich die Klimakrise mittlerweile so stark ins öffentliche Bewusstsein eingeprägt, dass Forscher:innen wie ich Lösungsstrategien immer wieder ins Spiel bringen können – und daher sogar gehört werden.

Der Bausektor ist als Verursacher von CO2-Emissionen eine große Stellschraube im Kampf gegen den Klimawandel. Die Holzwirtschaft weist seit Jahren auf das Potenzial von Holzhäusern aus nachhaltiger Forstwirtschaft hin. Die jüngst von Ihnen mitgegründete Initiative Bauhaus Erde möchte eine gesellschaftliche Vision für organisches Bauen entwickeln. Fehlte es bislang an dieser? Wie wird die Organisation arbeiten?

Was nun ansteht ist die “Co-Transformation” der Forst- und Bauwirtschaft. Wir müssen die steigende Nachfrage nach organischen Materialien mit einem nachhaltigen Angebot an nachwachsenden Rohstoffen abgleichen. Dieses ganzheitliche Narrativ hat bisher gefehlt. Das Bauhaus Erde wird zum einen die dafür notwendigen Systemanalysen und zum anderen eine Reihe von Demonstrationsprojekten durchführen.

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Deutscher Holzkongress 2022

29. und 30. Juni 2022

BOLLE Festsäle | Berlin

Branchenabend | Netzwerktreffen

125 Jahre Interessenvertretung der Säge- und Holzindustrie

Einlass 29. Juni ab 13.00 Uhr – Ende der Veranstaltung am 30. Juni gegen 13.00 Uhr
(Weitere Programmdetails erfahren Sie in Kürze)

Zur Anmeldung

Bild: Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK) e. V. Portrait Landscape Format, Source: Mercator 2009, DeSH